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Warum hast du Interesse an einem TS-Galgo? Diese Frage ist die erste, die sich ein Interessent stellen sollte. 

Wenn aus deiner Antwort vor allem Mitleid spricht, sage ich dir, dies ist kein guter Wegweiser bei der Wahl des passenden Hundes. 


Ein Galgo ist als aller erstes auch "nur" eine Hunderasse.

Aber wie fast jede Hunderasse hat auch der "eigentliche" Galgo Espanol einen Ursprung und vor allem einen Verwendungszweck. 

Kurz und knapp. 

Der Galgo Espanol ist ein Jagdhund oder um genau zu sein, ein Sighthound.

Der Jagdtrieb ist genetisch bedingt und der Galgo muss die Jagd nicht ernst erlernen. Der Standart jagt also lediglich mit den Augen, heißt, der Hund geht nicht auf Spur. 

Natürlich gibt es auch hier immer Ausnahmen. 

Die meisten Ausnahmen findet man hier aber im Bereich der TS-Galgos. 

Diese sind i.d.R aber auch keine reinrassigen Tiere, sondern oftmals Galgo/Grey Mischlinge oder Galgo/Podi (Solitärjäger). 

Es gab 

/gibt auch andere Kombinationen.


Der Galgo kann eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60/70 km/h erreichen und das bereits nach einigen Sekunden. 

Diese kann er aber nur wenige Minuten halten. 

Auf gut deutsch 

Er kann in kurzer Zeit eine große Strecke zurücklegen. 

In Spanien, wo der Galgo herkommt, ist dies in einigen Regionen und Ortschaften kein Problem. 

Alleine die Besiedlung ist deutlich geringer und es gibt Strecken, wo ein Galgo gefahrlos mehrere Kilometer zurücklegen kann.

Anders ist das oft in Deutschland. 

Es bringt im Ernstfall nicht viel, wenn die nächste Straße "ja 1-2km entfernt war". 


Zum Thema Angsthund möchte ich heute lediglich kurz erwähnen, das der Großteil derer, die als solche betitelt werden, keine sind. 


Der Galgo an sich soll freundlich, aber reserviert gegenüber Fremden sein. 

Deshalb bezeichnen viele Windhunde auch als "arrogant". 

Eine leicht eingeklemmte Rute ist bei einem Galgo auch nicht unbedingt immer ein Zeichen von Angst. 


Und ein unsicherer Hund ist kein Angsthund und auch kein Panikhund. 

Viele Galgos sind besonders zu Beginn im TH unsicher oder neigen eher zur Unsicherheit, weil für sie alles neu ist. 

Der spanische Galgo wird nicht geprägt, sozialisiert oder im Haus gehalten. 

Die Gruppen werden i.d.R außerhalb der Stadt gehalten, auf alten Farmen, Höfen, Bunkern und Zwingeranlagen.

Der menschliche Kontakt ist begrenzt und fremde Situationen lernt der Hund auch nicht kennen. 

Diese anfängliche Unsicherheit legt sich bei vielen in ein paar Monaten und man kann deutliche Fortschritte erzielen, auch wenn oftmals eine gewisse Grundunsicherheit bleibt. 


Ein echter Angsthund ist nicht in 4 Monaten rehabilitiert. 

Auch wenn "Jan Mustermann" oder andere Leute  das bei ihren "Angst"Hunden so schnell mit ganz Liebe hinbekommen haben.


Kann ich einem Galgo gerecht werden? 

Was ist zu beachten. 

Wichtig!

Gehe immer vom schlimmsten für dich aus. Stelle dir die schlimmste Situation mit einem Hund für dich vor. 

Du möchtest einen Galgo, der irgendwann freilaufen kann, hast dann aber eine absolute Jagdsau. 

Da hilft auch die Liebe Bindung nix, von denen immer so einige Pappenheimer erzählen. 

Kannst du deinem Hund dann dennoch die nötige Auslastung bieten? 

Wenn du dies nur mit Nein beantworten kannst oder es willst, weil du keine Lust hast, dir viele Umstände zu bereiten, dann sieh bitte von einer Adoption ab. 

Denn gesicherte Freilauf ist besonders in der ersten Wochen unumgänglich und darf niemals ungesichert stattfinden! 

In den ersten Wochen sollte ein neuer TS-Hund doppelt gesichert in einem Sicherheitsgeschirr geführt werden, bis man ihn in diversen Situationen einschätzen kann. 


Plan A ist zu also Beginn immer der, einen sicheren Auslauf zu finden. 

Da gibt es einige Möglichkeiten, wie bei Hundeschulen anfragen wegen Nutzung des Hundeplatzes; bei öffentlichen Auslaufflächen schauen, die umzäunt sind; bei Reitställen anfragen bezüglich Nutzung der Reithalle; eigene Wiese pachten und einzäunen; [...].


Bei allen ist wichtig auf die Sicherheit zu achten. 

Sind die Zäune überall hoch genug? Gibt es dort Löcher oder andere Fluchtmöglichkeiten?  


Der Freilauf mit Galgos ist möglich, ABER nicht bei allen. 

Nein, geht nicht davon aus, das euer Galgo ableinbar ist, denn dann schmerzt das erwachsen umso mehr. 

Und nein, es hat auch kaum etwas mit der lieben Bindung zutun, von der immer alle reden, denn der Jagdtrieb ist, wie bereits oben auch erwähnt, genetisch bedingt. 

Wer also auf den Gedanken kommt, sich eben einen Welpen zu holen, sollte diesen Gedanken nochmal überdenken. 


Hinter dem Freilauf steckt bei über 90%  Monate intensiver Arbeit. 

Besonders der Mensch muss in dieser Zeit lernen. 

Lernen den Hund zu lesen, die Natur zu sehen und zu verstehen. 

Man muss im Stande sein schnell und zuverlässig seine Umgebung zu scannen und im Ernstfall ruhig bleiben und die potentielle Gefahr vor dem Hund sehen. 


Ich wiederhole mich noch einmal. 

Der ungesicherte Freilauf sollte niemals Plan A sein und niemals in den ersten Wochen nach Ankunft stattfinden. 

Solch leichtsinniges Verhalten hat der eine oder andere Galgo leider schon mit dem Tod bezahlen müssen.


Kommen wir zurück zu Plan A.

Wenn es keine Option in der Nähe gibt und man keine Lust hat, zweimal die Woche 30 min irgendwohin zu fahren, weil es dort erst die Möglichkeit gibt für den sicheren Freilauf, dem möchte ich jetzt etwas mit auf den Weg geben. 


Es gibt über 390 anerkannte Rassen und etliche tausende Mischlinge.

Ein Ende ist übrigens nicht in Sicht.


AUCH ein Galgo passt nicht in jedem Haushalt. So schön dieser Gedanke auch wäre, somit möglichst vielen einen Platz zu geben.

Aber warum sollte er auch? Ein Herdenschutzhund, ein Dalmatiner oder ein Listenhund passen auch nicht in jeden Haushalt. 


Warum will man einen Hund von einer bestimmten Rasse, wenn man  ihn nicht spezifisch auslasten will oder kann? 

Warum will man einen Jagdhund, wenn die erste Frage in einer Gruppe ist, was man von Anti-Jagd Trainings hält und ob es funktioniert? 

Oder aus Mitleid? 

Ist es gerecht, dem Hund dieses Leben aufzuzwingen, nur weil ich diese Rasse will? 

Auch ein Galgo hat nur dieses kurze Hundeleben, welches meist nicht auf der Sonnenseite des Leben begann. 

Es muss Priorität sein, ihnen ihre verbleibende Lebenszeit bei uns so artgerecht und liebevoll wie möglich zu gestalten. 


Es liegt also in unseren gemeinsamen Händen, zu versuchen, das Maximum für jeden Hund herauszuholen. 

Argumente wie "Alles ist besser als in Spanien" sollten niemals Bauchgefühl und vor allem Kopf ersetzen. 


Besonders in der aktuellen Situationen in der "Wir" uns befinden, wird ein Ansturm von Adoptionsanfragen den Großteil glücklich stimmen. 

Aber meine Bitte an alle, egal ob Vermittler oder Interessenten. 

In erster Linie sollte es immer um den Hund gehen und sein Wohlergehen sollte an oberster Stelle stehen. 

Bitte schaut genau hin. 

Schaut euch die Interessenten genau an, durchlöchert sie mit Fragen zum Thema Galgo, artgerechte und altersgerechte Auslastung und haut sie mit Informationen zur Sicherung um. 


An die Interessenten.

Schaut euch die Vereine genau an. 

Werdet ihr ausreichend über die Rasse aufgeklärt? Über die Sicherheit? Die Auslastung? 

Ist alles seriös? 

Gibt es genügend Informationen über den jeweiligen Hund? Werdet ihr beraten und wird geschaut, ob der ausgewählte Hund in euer Leben passt? 

Findet eine Vorkontrolle statt? 


Ja. Wir kennen die Geschichten alle. 

Die Geschichten von den einfachen Galgos. 

Die Galgos, die daheim alle nur lieb auf dem Sofa liegen. 

Die Galgos, die ohne Probleme ohne Leine laufen können. 

Die Galgos, die wie Engel an der Leine gehen. 


Aber es gibt eben auch die andere Hunden oder die andere Seite. 


Galgos, die dir deine Hütte auseinandernehmen.

Galgos die alles Essbare in 5km Umkreis riechen und auch das Geschick haben, an sämtliche Verstecke ranzukommen (durchaus auch höhere). 

Galgos, die an der Leine andere Hunde anpöbeln. 

Galgos, die eure Katze/euren kleinen Hund für Beute halten. 


Besonders Windhund-Anfänger sollen sich bitte an einen seriösen Verein wenden, der Erfahrung mit der Vermittlung von Windhunden hat. 

Außerdem ist eine Adoption aus einer Pflegestelle sehr sinnvoll, da man den Hund dort um einiges besser beschreiben und kennenlernen kann. 


Zu guter letzt nochmal meine Bitte. 

Durch Mitleid sollte niemals eine Entscheidung getroffen werden.

Überlegt euch genau, ob ein TS-Galgo in euer Leben passt mit allen eventuellen Hürden, die es zu überwinden und/oder zu lieben gilt. 

Es gibt ansonsten viele Möglichkeiten zu helfen, ob mit Patenschaften, Sachspenden, Geldspenden, aktive Unterstützung. 


Und falls du nach sämtlichen Informationen über den Galgo immer noch glaubst, dies wäre der perfekte Hund und Freund für dich

Du dich auf die Rasse einlassen kannst und auf die Reise mitgehst, dann erwartet dich etwas ganz besonderes ❤️


Text von DMK